Just another WordPress.com site

Letztes

Duden: Gorillaaktion, die

(Werte nach Sämi)

Distanz: 24.3km

Dauer: 7:45

Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.1 km/h

Höchster Punkt: 810m, bei einem Gesamtaufstieg von 1‘210m

Temperatur: 22 Grad

Viehzäune überquert: 21

Das liebenswerte B&B hat uns auch heute Morgen mit der Einzigartigkeiten der englischen Küche in Berührung gebracht. Doch meine Augen fingen gleich an zu leuchten, als es Hash Browns gab. Zusammen mit Speck ist es meiner Meinung nach, das warum man immer English Breakfast nehmen sollte, wenn man die Möglichkeit hat.

Viele Wanderer (oder C2Cer) sind fast gleichzeitg auf die heutige Etappe gestartet. Wir haben ihnen ein paar Minuten Vorsprung gelassen. Von unserem B&B ist auch eine Vierergruppe gestartet, die ich gestern Abend bei ihrer Ankunft (wir haben sie von unserem Fenster aus gesehen, liebevoll die Bourbakie-Gruppe getauft habe. Wir durften gestern noch ein kurzes Gespräch mit der einen Frau aus dieser Gruppe führen – während ihr Mann auf dem Bett Dehnübungen machte. Neben den Bourbakies hatten wir auch ein Paar aus Holland vor uns (wir haben sie bereits im Zug nach St Bees entdeckt). Doch schon nach wenigen Kilometern haben Julia und ich souverän die Führung übernommen. Wir kamen an den Anfang des Lake District. Dies ist ein englischer Nationalpark, dessen Schönheit wirklich atemberaubend ist. Der Lake District fängt, wie es der Name bereits sagt, mit einem See, dem Ennerdale Water, an. Wir durften die ganze Länge dieses Sees ablaufen. Dabei gab es immer wieder Abschnitte, die durch kleine, magische Wäldchen führten. Man konnte fast dife Elfen aus dem Efeu springen sehen. Nach dem See bogen wir in einen kleinen Wald ein. Was den ganzen Tag auffälig war, war die Dichte von Menschen. Man merkts, dass viele Menschen in England den Lake District für Wanderungen nutzen

Julia und ich haben uns entschlossen, dass wir für den nächsten Teil des Weges getrennt laufen werden. Während sie weiter durch den Wald gehen wollte, entschloss ich mich eine vier (Berg-)spitzen umfassende Krete in Angriff zu nehmen. Dafür musste ich aber zuerst auf einen Schlag 750 Höhenmeter in einer fast geraden Linie nach oben laufen. Die Holländer haben sich kurz nach mir ebenfalls auf diesen Weg gemacht. Ich weiss aber nicht, ob sie den Weg gepackt haben. So begann die erste Gorillaaktion dieser Wanderung. Für alle, die keine Erfahrungen mit Wanderungen mit mir haben: Gorillaaktionen zeichen sich dadurch aus, dass man irgendwo nach oben stürmt und dann meist einen (eigentlichen unnötigen) Weg in grosser Geschwindigkeit zurücklegt. Berühmte Beispiele sind die Aktion Black Cullins auf der Isle of Skye mit Ramon oder der Trollheta in der Finnmark mit Lars. Und nun auch diese vier Spitzen. Ich stopfe mir die Kopfhörer in die Ohren und ab gehts nach oben. Unter den Tönen von Hans Zimmer Time habe ich das Gefühl, die Anspannung und den enormen Stress der letzten Monate hinter mir zu haben. Ich spüre, wie Wesentliches und Unwesentliches klarer werden und wie, ja fast ins Reine mit mir komme. Es tut unheimlich gut: Die Kombination zwischen körperlicher Anstrengung, Musik und umwerfender Natur.

Nach gut einer Stunde erreiche ich den Red Pike. Ich war ehrlich gesagt nicht auf diese Aussicht gefasst. Da das Wetter schön und der Himmer extrem klar ist, sieht man bis weit nach Schottland. Man sieht das Meer, die verschiedenen Seen des Lake District und die mächtigen Hügel. Die vier Leute die ich oben antreffe, beschweren sich über die hohen Temperaturen. Ich entschliesse mich, jeden Gipfel jemandem oder etwas aus dem letzten Jahr zu widmen und mir jeweils am Top ein paar Minuten entsprechend Zeit zu nehmen. Kurz entschlossen wird der Red Pike zuerst mir selbst gewidment – egoistisch wie ich bin. Unter den Klängen von Polo Hofers Stilli Wasser geniesse ich den Ausblich und denke nach: „U weme luegt iz stille Wasser gsehtme d Wolke gespieglet drinn. U aus wo obe isch, das isch ou unge und alles überchunnt si Sinn“. Ich trinke fast meine gesamten Reserven auf und esse die letzten Schokoreiswaffeln…

Dann geht es weiter: einen kurzen (einfachen Abstieg) und dann rauf auf den höchsten Punkt des Tages. High Stile erwartet mich. Ihn widme ich einem nicht genannten Familienmitglied. Ich stehe oben, hör ein Stück und widme die paar Minuten dieser Person.

Es folgt ein kurzer Abstieg und eine längere Traverse auf den High Crack. Ich merke, dass ich länger für die Aktion als die vorausgesagten 3-3 ½ Stunden brauchen werde. Die Kopfhörer musste ich auf der Strecke dorthin abziehen, da der Weg langsam viel Konzentration benötigt (von einem wirklichen Weg kann auch nicht mehr die Rede sein). Den Gipfel habe ich kurz entschlossen Laurin (und natürlich Finn), Sophia und Alexander gewidment… Und zu deren Ehren trinke ich das letzte Bisschen Isostar aus meiner Flasche. Aber nach gut einer Minute trete ich die Flucht an, da ein paar hundert Midges beschliessen, mich bei lebendigem Leibe aufzufressen. Die Flucht führt nach unten auf den Scarth Gap Pass. Wobei von einer Flucht kann nicht die Rede sein. Der Weg, den ich bis zu diesem Punkt auf einen guten T3 einschätzte, ändert innert wenigen Meter hin zu einem extrem steilen T4 – eine wirklich komische Veranstaltung, so ganz ohne Markierungen oder etwas. Ich mache mir eine geistige Notiz: Englische Landkarten lügen gedruckt… Es wird wirlich steil und steinig. Loser Schotter bildet den ersten Untergrund und wechselt dann in einen blanken Felsweg, den irgendjemand, wahrscheinlich noch mit gutem Vorsatz, in den Berg gelegt hat. Steil und blank… gute Voraussetzung für einen Ausrutscher. Aber ich bleibe gottseidank verschont.

Nach dem Pass geht es auf der anderen Seite wieder rauf. Und hier hört der Spass definitiv auf. Es gibt mehrere Krakselstellen, die selbst in der Schweiz eine T5 Wanderung ausmachen würden. Ich bin immer noch schockiert über die Menschen, die mir dabei entgegen gekommen sind: Halbhohe Schuhe oder sogar Turnschuhe. Ich fühle mich fast wie ein ängstlicher Anfänger. Der Hay Stacks verlangt nochmals einen kleinen Tribut ab. Oben angekommen wird auch er etwas gewidmet: Operation Idefix und einer anderen Operation (für die, die nicht wissen, was die Opertion Idefix war, empfehle ich eine kurze Googlesuche).

Dann beginnt eine neuerliche Traverse, die wieder einiges an Konzentration verlangt. Nach gut vier Stunden Gorillaaktion treffe ich am abgemachten Punkt auf dem Honister Pass ein und stelle fest, dass Julia nicht da ist. Im Shop werden zuerst mal meine Getränkereserven aufgestockt und dann entschliesse ich mich draussen vor dem kleinen Kaffee, so positioniert, dass ich jeden sehen kann, auf Julia zu warten. Nach ¾ Stunde laufe ich beim danebenliegenden Youth Hostel vorbei. Vielleicht war sie doch (wie erwartet schneller) und hat sich einfach nicht so schlau irgendwohin gesetzt. Fehlanzeige. Das lässt nur einen Schluss zu – sie muss bereits weitergelaufen sein. Ich drehe mich um und geh in Richtung Shop um nochmals etwas Wasser zu holen, als sie in diesem Moment von hinten kam.

Nachdem Sämi und ich uns voneinander verabschiedeten, machte ich mich auf den Weg durch den Wald. Mit dabei hatte ich mein iPhone, auf dem ich immer wieder schauen konnte, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Das übrige Kartenmaterial war bei Sämi im Rucksack. Für knappe 7 Kilometer konnte ich einem relativ gemütlichen Weg folgen. Immer wieder traf ich auf Schafe. Wenn ich einem näherte, rannte es ziemlich gleich weg. Danach gab es keinen richtigen Weg mehr. Per App merkte ich auch, dass ich nicht mehr auf der Route war. Ich kletterte somit einen Hügel hoch, damit ich wieder auf der angezeigten Route war. Plötzlich ging es dann bergauf. Ich musste nicht über 700 Höhenmeter wie Sämi eklimmen. Bei mir waren es ein bisschen mehr als 600. Immer wieder kontrollierte ich, ob ich richtig laufe. Oben auf der Krete hatte es extrem viel Wanderer. Ich schaute mich immer wieder um und dachte, vielleicht sehe ich Sämi irgendwo! Fehlanzeige! Ich machte mich an den steinigen Abstieg zum Honister Pass. Dort angekommen holte ich mir zuerst einen Kaffee und setzte mich draussen hin, so dass ich Sämi sehen könnte, wenn er kommen würde. Ich fand es komisch, dass er nicht kam, da ich den Eindruck hatte, dass ich extrem an Zeit verloren hatte, da ich ja vom Weg abkam. Auch beim Aufstieg war ich nicht besonders schnell unterwegs. Die Zeit verstrich und Sämi kam nicht. Ich konsultierte nochmals die App mit dem angezeigten Weg. Es gab noch weiter unten einen Parkplatz mit Verpflegungsmöglichkeiten. Hatte Sämi doch diesen gemeint und ich warte nun am falschen Ort? Leider hatte ich auch kein Netz, somit konnte ich überhaupt nicht reagieren. Ich entschied mich zum Parkplatz, der 1 Meile entfernt lag zu laufen und schauen, ob er dort ist. Er war dort auch nicht. Ich begann mir Sorgen zu machen, versuchte ihn anzurufen. Er hatte aber keinen Empfang, das so viel bedeutete, er war noch irgendwo oben! Nach ein paar Minuten des Wartens entschied ich mich wieder hoch zu laufen und zu schauen, ob er in der Zwischenzeit dort angekommen ist. Ich vermied dieses Mal den steinigen Wanderweg zu nehmen und lief einfach der Strasse entlang. Fast oben angekommen, habe ich eine Familie und ein älteres Ehepaar angetroffen, die mir beide bestätigten, dass sie Sämi vor etwa 20 Minuten gesehen haben. Ich beschleunigte mein Tempo und konnte Sämi auch gleich sehen. In Tränen aufgelöst umarmte ich ihn. Er verstand nicht ganz, dass ich so in Sorge um ihn war. Als wir uns dort oben wiedersahen, schenkte er mir ein Herz aus Schieferstein – es ist wunderschön! Gemeinsam liefen wir nun den Weg wieder runter. Wir waren noch maximal 1 Stunde unterwegs, bis wir unser Hotel erreichten. Wir haben heute ein grosses Zimmer mit einem eisigen Fliesenboden. Ich schaue, dass ich möglichst nur in Schuhen, den Boden berühre! Nachdem wir ziemlich gleich nach der Ankunft duschten, genossen wir eine Stärkung in der Riverside Bar. Rund ums Hotel ist ein wunderschöner Park angelegt, in dem jetzt noch ganz viele Hotelgäste die letzten Sonnenstunden des Tages geniessen. Wir haben uns aber nach dem Abendessen ins Zimmer verzogen, noch eine Tasse Tee getrunken und widmen uns unserem Blog !

Die Sache mit den Steinen

Distanz zurückgelegt: 22.43 km

Laufzeit: 5h 14 min

Temperatur 22 Grad

Durchschnittliche Laufgeschwindigkeit: 4.3 km/h

Viehgatter durchquert: 21 (Es sollten am Ende 300 werden)

Endlich. Endlich – nach Wochen, ja Monaten des Wartens war heute die erste Etappe angesagt. Bereits vor 8 Uhr gab es zur Stärkung ein traditionelles Fullenglish Breakfast. Bereits im letzten Jahr, auf unseren Schottland Abenteuern, hatten wir jeden Morgen das Vergnügen. Und auch in diesem Jahr geht es im gleichen Stil weiter: Die meisten Bed&Breakfast Anbieter fühlen sich fast schon in ihrer Ehre verletzt, wenn Julia und ich etwas Toast, Kaffee, Tee und vielleicht ich noch Speck und etwas Rührei bestellen. Es ist aber wichtig, dass wir jeden Morgen bereits genügend Kalorien zu uns nehmen, denn die Lunchpakete, die man hier auch noch bekommen könnte, schlagen wir immer aus. Stattdessen planen wir jeweils einen fixen Halt irgendwo in einem Pub für einen Kaffee und vielleicht für ein Sandwich ein.

Nach dem Morgenessen starten wir. Vor dem B&B machen wir, zur Unterhaltung von zwei Schaulustigen unser Abklatschritual. Es geht an den Strand. Bereits auf dem Weg zum Strand überholen wir ein älteres Ehepaar, dass anscheinden auch das gleiche Ziel hat. Der Coast to Coast Way hat eine Reihe von kleinen Ritualen, die man einhalten muss, will man den Weg wirklich bestanden haben. Als erstes muss man seine Füsse, respektive die Schuhe mit dem Wasser der irischen See benetzen. Wir sind dankbar, dass Flut herrscht, so müssen wir nicht noch 200-300m zum Wasser laufen. Als zweites muss man einen kleinen Stein suchen, welcher von nun an bis zum Ende des Weges eines jeden Begleiter wird. Ich finde meinen sehr rasch. Naütlich gebe ich ihm sofort einen Namen: Duda. Duda verstaue ich in meiner Bauchtasche. Er ist schwarz und hat kleine weisse Punkte. Julia sucht etwas länger. Dann findet sie auch ihren Stein. Topolino wird er im Verlauf des Tages benannt, nachdem ich etwa 3mal nach einem Namen fragen musste. Als letzter Programmpunkt steht ein obligatorisches Foto vor der Wainwright Wall an. Drei Australierer (?) machen es von Julia und mir sehr gerne, und wir gewähren ihnen grosszügig, wie wir sind, auch Gegenrecht.

Julia und ich aktivieren unsere GPS Uhren. Sie sind dahingehend wichtig, dass sie uns ständig Position, Wegstrecke, Geschwindigkeit und Zeit durchgeben und wir so ziemlich genau abschätzen können, wie der weitere Lauftag wird. Es war eines der grossen Learnings vom letzten Jahr, dass es für die Psyche von beiden wichtig ist, dass wir das sehen. Der Weg führt zuerst die Klippe hinauf. Die Australier, die mit uns starten, sind bald nicht mehr hinter uns zu sehen. Die Szenerie erinnert an einen Rosamundepilchner Film – einfach real. Links von uns die irische See, rechts von uns die Weiden mit Schafen. Es ist auch ein Schaf, dass unsere Aufmerksamkeit irgendwann auf sich zieht. Es ist tot und ganz offensichtlich wurde der Nacken aufgebissen. Ich ertappe mich dabei, wie ich mich frage, ob es hier Wölfe gibt. Nachdem ich das aber innerlich ausgeschlossen habe, ziehen wir weiter. Der Weg führt die ersten Kilometer der Küstenklippen entlang, als ob er uns nochmals das Meer zeigen will, bevor wir dann wirklich landeinwärts ziehen. Die Natur und die Szenerie sind überwältigend.

Dann dreht der Weg ab. Als nächstes kommen wir an eine Strasse, wo die Sträucher links und rechts über 2 Meter ragen. Und dann kommen wir in ein erstes Dorf. Dort werden wir lauthals von einem älteren Mann begrüsst, der in Begleitung seiner Frau ist. „Die Zwei sind aber sicher nicht auf dem Coast to Coast Way“ und meint uns. Doch… Wir stellen fest, dass John eigentlich aus Robin Hood’s Bay stammt und gerade hier am anderen Ende Ferien macht. Nach einem kurzen Schwatz machen Julia und ich eine erste Pause. Das erste Drittel des Tages ist geschafft. Der zweite Abschnitt ist nicht so überwältigend. Er ist geprägt von landwirtschaftlicher Nutzung und erinnert uns fast an das Luzerner Mittelland. Einfach: Die Sonne brennt und ich Dottel habe mich nicht eingecremt… Naja: Heute Abend beim Schreiben dieses Textes bezahle ich den Preis.

Auch die ersten Navigationsprobleme stellen sich ein. Die 1:50‘000 Karte ist teilweise etwas unpräzise und der Weg kennt tatsächlich viele Varianten und Möglichkeiten. Ja, wir haben uns auch das erste Mal ca. 100 Meter verlaufen… Am frühen Nachmittag kommen wir wieder in eine Ortschaft und wir erkundigen uns nach einem guten Pub. Dort gibt es den Kaffee und das oblgatorische Sandwich mit Schinken, Käse und Zwiebeln.

Nach einer dreiviertelstündigen Pause ziehen wir weiter. Der Dent (Berg) ist unser nächstes Ziel, das wir passieren müssen. Als wir schon ein bisschen Höhe gewonnen haben, stand plötzlich eine Abschrankung vor dem Wanderweg mit der Inschrift „Footpath closed“! Dies zur Kenntnis genommen liefen wir der Autostrasse entlang. Sämi navigierte fortwährend mit dem iPhone, damit wir sicher wieder auf den Wanderweg finden. Einige Kilometer mussten wir aber der Strasse folgen, bis wir wieder auf einen Wanderweg kamen. Plötzlich vor uns sahen wir wieder das englische Ehepaar, das wir schon heute Morgen überholt hatten. Wir wechselten ein paar Worte mit ihnen und erfuhren, dass auch sie diesen Weg in 12 Tagen machen wollen. Wir schätzen, dass die beiden gegen 60 Jahre alt sind. Er fährt normalerweise Velo. Nur jetzt haben sie sich auch dieser Herausforderung gestellt. Sämi und ich laufen einen Grashügel hoch. Am obersten Punkt machen wir unser Tagesselfie. Von dann an gings wieder bergab. Die letzten Kilometer des Tages mussten wir durch ein super enges Weglein laufen. Von beiden Seiten waren die Pflanzen so hoch, so dass es schien, dass wir uns durch ein Dickicht kämpfen mussten. Dabei wurden wir von Mitches verfolgt.

Als wir in Ennerdale Bridge ankamen, sahen wir gleich auf rechter Hand unser Guesthouse. Da wir aber so früh ankamen, konnten wir noch nicht einchecken. Wir reservierten somit zuerst unseren Tisch für das Abendessen im Fox and Hounds Inn. Ich hatte dort eben auf der Karte schon ein Curry entdeckt. Ich habe mich danach über meinen Kaffee gefreut, welchen wir im The Gatherer tranken. Das Kaffee war super herzig.

Im Guesthouse wurden wir dann sehr herzlich empfangen. Die Zeit bis zum Abendessen war im Nu vorbei. Wir duschten und machten uns bereit, um uns zu stärken. Ich trinke jetzt noch ein Teeli, bevor ich unter die Decke hüpfe.

Wo bitte geht es zur Downtown St Bees?

Wir sind angekommen. Nicht am Ende, sondern am Start. Und für die englischen Verhältnisse ist das bereits etwas. Wer bereits in seinem Leben mit der britischen Bahn eine Reise machen durfte weiss, dass die Verbindung von A nach C nicht zwingend über B laufen muss, sondern logischerweise über G verläuft. Ganz simpel also. Beginnen wir aber vorne: gestern durften wir einen ruhigen Flug von Basel nach Manchester erleben. Ausnahmsweise blieb auch das obligatorische Chaos am Euroairport Basel aus. Wer mich kennt weiss, dass ich den Sinn und Zweck dieses Flughafens noch nicht vollständig gesehen habe, die normalerweise zu viele Menschen einen zu kleinen Raum bevölkern. Resultat: Lange Wartezeiten, enge Verhältnisse und was für Julia besonders schwierig ist, ein unausstehlicher Mann. Doch dem war gestern nicht so. Man konnte meinen, dass das Schicksal uns eine erholsame Reise wünscht. Nach gut 90 Minuten sind wir ruhig und entspannt gelandet. Den Zug Richtung Stadtzentrum zu finden war eine Leichtigkeit und so sind wir nach gut weiteren 30 Minuten bereits in unserer Bleibe für eine Nacht eingetroffen.

Heute also dann die Weiterfahrt nach St Bees. Ich muss schon sagen: englische Bahnhöfe haben einen eigenen Charme. Oft wurden sie vor ungefähr 100 Jahren gebaut, sporadisch mal modernisiert, aber nie wirklich gepflegt. Das ist schade.

Zuerst durften wir dann in einem überfüllten Zug für 2 Stunden nach Carlisle fahren. Wie bereits gesagt: Zugfahren auf der Insel sind ein eigenes Vergnügen. Die Züge sind oft um Welten kleiner, als das, was wir uns auf den Regio-Strecken zwischen Pratteln und St. Jakob gewohnt sind. Wobei die Enge noch zusätzlich verschärft wird, da ungefähr soviel Gepäckablage wie in einem durchschnittlichen Smart vorhanden ist. Und dabei spielt es keine Rolle, wie wichtig und ausgelastet die Strecke ist. Trotzdem: die Fahrt erlaubt uns einen ersten kleinen Blick auf Regionen, die wir in den kommenden Tagen mit unseren Füssen erkunden werden.

In Carlisle steigen wir um. Und dort bekommen wir eine andere Eigenheit des britischen Verkehrssystems zu spüren: dieselbetriebene Züge. Sie sind laut und haben einen eigenen Duft. Der Zug ist fast leer. Man erkennt aber schon die eine oder andere Person, die sich offensichtlich in das gleiche Abenteuer stürzt. Die Menschen erkennt man leicht an ihrer Trekkingausrüstung und vor allem an den Schuhen. Die Strecke führt uns von Carlisle direkt an die irische See. Eine gewisse Spannung überkommt uns. Julia fragt schüchtern, ob das ganze Unternehmen wirklich eine so schlaue Idee ist. Ich frage mich das selbe. Vor allem: Letztes Jahr, als wir den West Highland Way in 5 Tagen durchgerannt sind, waren es eben nur 150km in 5 Tagen. Jetzt sprechen wir von der doppelten Distanz von einem Weg, der schwerer einzuschätzen ist.

Nach 1 1/2 Stunden kommen wir in St. Bees an. Klein – sehr klein. Das ist die richtige Beschreibung.

Das Bed&Breakfast für die Nacht ist unmittelbar am Bahnhof(lein) gelegen.

Eine ältere Dame heisst und willkommen und fragt als erstes, wann wir am Morgen frühstücken wollen. Man sieht: Die Prioritäten werden hier noch richtig gesetzt. Dann zeigt sie uns unser kleines, sehr englisches aber süsses Zimmer. Die Türe ist aber etwas tief. Ich ziehe den Kopf ein – Julia muss es mir nachmachen.

Wir entscheiden uns, dass wir noch eine kleine Erkundungstour durch den Ort machen. Zusammenfassung: 2 Pubs, 1 Bahnhof, 1 Boardingschool, 1 Postoffice mit Shop, 1 Shop mit Kaffee. Besonders erwähnenswert ist aber das alte Kloster. Ich habe im Vorfeld mal was über die Kirche und die Orgel darin gelesen. Wir hatten Glück: Als wir sie besuchten, hat der Organist gerade geübt. Und so kamen wir in den Genuss ein paar Töne. Speziell ist die alte Bauweise der Kirche. Man sieht das alte Holzgerüst des Dachstocks. Aber damit hat es sich dann mit St. Bees.

Morgen geht es endlich richtig los. Aber zuerst testen wir noch den Spielplatz…

– Sämi-

Von Steaks und Nüssen…

Kurz nachdem wir im Hotel in Manchester ankamen, haben wir uns auch gleich wieder auf den Weg zum Abendessen begeben. Wie schon letztes Jahr in Glasgow, sind wir ins Steakhouse Millers & Carter eingekehrt. Es schmeckte – wie immer – vorzüglich! Bevor das Essen serviert wurde, stiessen wir mit einem Glas Wein auf unsere Ferien an. Sämi genoss dann ein doppelt so grosses Steak wie ich! Glücklich und satt verliessen wir nach 2 Stunden das Restaurant und nehmen uns vor, am Ende unserer Reise wieder dort einzukehren.

Nach einer Nacht, in der ich nicht sehr gut schlafen konnte – Sämi bekam davon nicht sehr viel mit – starteten wir unseren Tag am Frühstücksbuffet. Wir stärkten uns mit Brot, Müsli, Omlette, Speck und Pancakes. Bevor unsere Reise am Bahnhof Manchester weiterging, wollten wir uns noch mit Proviant eindecken. Zuerst betraten wir ein Geschäft mit Healthy Food. Meine geliebten Hafergutzis fand ich gleich! Sonst waren wir uns aber eher unschlüssig, was wir kaufen sollen. Also zogen wir weiter in ein grosses Einkaufszentrum. Nach etlichem Suchen fanden wir einen Stand, der viele Nüsse mit den unterschiedlichsten Geschmäckern verkaufte. Ich entschied mich gleich für gesalzene Mandeln. Sämi wollte Honey roasted Mandeln und Cashews. Sein Papiersäckchen füllte er sich dann noch mit Walnüssen. Die Verkäuferin hatte, glaube ich, noch nie so viele Nüsse auf einem Mal verkauft. Nun brauchten wir noch ein paar Flaschen Wasser. Ich war mit unserer Ausbeute nicht so zufrieden und bin dann nochmals zurück in den Laden mit Healthy Food und kaufte noch ein paar Proteinriegel aus Nüssen und Hafer. Ich freue mich diese bald zu probieren! Im Hotel portionierte Sämi die Nüsse in kleine Brotsäckchen, so dass wir auf der Wanderung nicht den grossen Papiersack voller Nüsse mitschleppen müssen.

– Julia –

And off we go…

Herzlich Willkommen zum Blog der Abenteuer von Julia und Sämi. Nach anstrengenden Wochen und Monaten sowie der aufrührenden Ereignisse der letzten Tage ist es nun doch endlich soweit: Wir brechen zum Coast to Coast Way auf. 15 Tage lang werden wir quer durch England laufen, wobei eigentlich nur zwölf Tage für das laufen reserviert sind. Die anderen Tage sind für An- beziehungsweise Abreise reserviert.

In diesem Jahr haben wir uns entschlossen zum ersten Mal unsere Abenteuer und Erlebnisse direkt in einem Blog festzuhalten. Wir möchten unseren Freunden so die Möglichkeit geben mitzukommen. Es soll eine Art Geschichte werden über Lustiges, Erstaunliches, Abenteuerliches. Und so beginnen wir auch diese Geschichte, so wie jede gute Geschichte beginnt. Nämlich mit: Es war einmal…

Es war einmal ein britischer Autor namens Alfred Wainwright. Er lebte am Anfang des letzten Jahrhunderts und hat viele Bücher über Routen und Wanderungen durch England geschrieben. Darunter auch ein Buch, welches einen Weg quer durch England beschreibt. Der Start ist an der irischen See und führt bis zur Nordsee. Das Buch ist komplett von Hand geschrieben. Erschienen ist es 1973. Dabei hat sich der Autor in erster Linie auf bestehende Strassen und Wege abgestützt. Die Strecke ist rund 300 km lang, wobei sich die Leute etwas streiten, ob es nun 290 oder 330 km sind. In Wirklichkeit wird das auch niemand so genau wissen, da sich der Weg immer weiter entwickelt. Er ist nicht offiziell. Er ist nicht richtig ausgeschildert (zumindest im Moment). Klar ist, wo der Start liegt: im Dörfchen St Bees in Cumbria an der irischen See. Genau so klar ist das Ziel: Robin Hood´s Bay an der Nordsee. Dazwischen liegen drei Nationalparks, viele 100 Höhenmeter und zwischen 12 und 18 Tagesetappen.

Der Weg ist kein national Trail. Dies bedeutet, dass er keine Wegmarkierungen oder Wanderzeichen hat. Es gibt zwar sporadisch ein paar Wegweiser, aber ohne Wegbeschreibung, Karte und Kompass ist es faktisch nicht möglich den Coast to Coast Way zu bezwingen. Trotz, oder gerade deswegen, gilt dieser Weg als Geheimtipp. Vor ein paar Jahren wurde er als einer der schönsten Langwanderwege der Welt ausgezeichnet. Seither erfreut sich der Weg wachsender Beliebtheit. Und deswegen wird für die nahe Zukunft eine vollständige Erschliessung geplant. Für Julia und mich ist das Grund genug den Weg noch möglichst schnell in Angriff zu nehmen, bevor der spezielle Charme stirbt. Und weil wir die Herausforderung lieben, haben wir uns entschieden, den Weg in zwölf Tagen zu laufen, so wie es Wainwright selbst beschrieben hat.

Und so haben wir in den letzten Wochen, trotz vollen Agenden, alle Vorbereitungen getroffen, das Material zusammengesucht und die Taschen gepackt, damit wir heute abreisen können. Wir werden nach Manchester fliegen und von dort mit dem Zug morgen zum Ausgangspunkt reisen. In den frühen Morgenstunden des Dienstags geht es dann los.