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Letztes

Fast Ferrari fahren über die Felder

(Werte nach Sämi)

Distanz: 12.9km + 19.65km

Dauer: 2:47h + 4:28h

Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.6 km/h + 4.4 km/h

Temperatur: 20 Grad + 26 Grad

Viehzäune überquert: 48!!!!!!

Diese Reise ist sehr stark von drei Elementen geprägt: Als Erstes gilt es da sicher die Menschen zu erwähnen, die uns begegnen – sei das für kurz oder etwas länger, sei das als Mitwanderer, andere Touristen oder unsere Gastgeber. Das zweite Element ist die Natur: Ihre Gestalt, die sich innerhalb von wenigen Kilometern völlig verändern kann, das Wetter (das bis jetzt zum Glück kein bisschen englisch ist) und der Weg selbst. Gerade das Letztere entscheidet darüber, ob wir bis max. 6km/h oder eher 1.5 km/h laufen können.Für uns liegen zwischen diesen zwei Zahlen riesige Welten. Das letzte Element sind wir selbst: Wie gehen wir miteinander um, wenn wir über 7 Stunden zusammen Seite an Seite laufen, wie gehen wir mit uns selbst um, wie gehen wir mit der Zeit um. Dabei ist interessant: Wir haben mittlerweile die grösste Mühe den richtigen Wochentag zu nennen – auf die Frage, ob heute Samstag, Sonntag oder Ostern ist, müssen wir jeweils sehr fest miteinader diskutieren und dabei fast den Publikumsjoker einsetzen. An Tagen wie heute, steht für uns vor allem das dritte Element im Vordergrund, denn heute war das, was wir Transferetappe im Vorfeld genannt haben: über 30km durch eine Landschaft, die sich über Stunden nicht verändert und dabei nur wenigen Menschen begegnet.

Doch der Tag beginnt mit einem Menschen. Nennen wir sie Margret und sie ist ihres Zeichen die Besitzerin und Gastgeberin des B&B von Shap. Sie ist eine ältere, rundliche Dame, die sich nicht mehr so gut bewegen kann. Am Vorabend haben wir mit ihr vereinbart, dass wir um 7h30 frühstücken möchten. Um 7h25 sind wir unten. Das war zu früh für Margret. Sie schickt uns sofort in die Lounge. Sie würde uns dann schon rufen, wenn alles hergerichtet sei… Wir sitzen dort, ich blättere in Büchern über die Royals. Sämi nimmt ein vergilbtes Buch über den Coast to Coast Way in die Hand (die heutige Etappe sei langweillig…). An den Wänden hängen einige Bilder und Teller sonst ist ein ganzer Krimskrams an Sachen aufgestellt. Ich kam mir wirklich vor wie in Grossmutters Haus. Endlich durften wir nun den Raum wechseln und uns an den Tisch setzen. Auf den Tischen waren Kärtlein aufgestelt, wo drauf das Breakfast Starters aufgeführt waren. Mit uns waren noch ein Vater und eine Tochter aus London, die für ein paar Tage ein paar Etappen bestreiten und Mark, der heute und morgen eine Etappe läuft. Margret war mit uns 5 Nasen schlichtweg überfordert. Sie hat Sämi dann 3 mal gefragt, wie er gerne sein Ei hätte. Ich musste aus einer Liste aussuchen, mit was ich beginnen möchte. Zuerst gabs Müsli, die Früchte kamen im 2. Gang. Zum Müsli bekam ich aber keinen Joghurt. Der wäre für die Früchte gedacht gewesen. Müsli isst man nach Auffassung Margrets nur mit Milch. Beim Aufstehen vom Tisch sind uns dann noch die kleinen Papier Union Jacks auf jedem Tisch aufgefallen. Britischer geht es kaum. Ich war dann froh, konnten wir ihr Tschüss sagen. Gestern Abend haben wir im Pub nochmals Bruder Klaus getroffen. Er wird heute Nacht bei Margret schlafen. In Gedanken haben wir ihm viel Spass gewünscht, mit der eigentlich liebenwürdigen, aber auf ihre Art und Weise „too much“ Margret.

Kurz vor 9 Uhr laufen wir los. Da wir ja am Ende des Dorfes waren, mussten wir wieder ein Stück zurück ins Dorf. So zu sagen einen gratis Zusatzkilometer für den Start. Dort trafen wir gleich auf ein Ehepaar, das schon seit 26 Jahren verheiratet ist und den Weg nun zum 2. Mal läuft. Letztes Jahr haben sie es zum Hochzeitsjubiläum gemacht. Dieses Mal tragen sie aber ihr ganzes Gepäck mit sich. Wir überholen sie schnell. Unser Weg führt über die Autobahn M6. Diese führt unter anderem nach Schottland und ist einer der beiden wichtigstgen Verkehrsadern zwischen dem Norden und Süden des Landes. Das hatte mir Sämi natürlich berichtet! Dann verlief der Weg über Wiesen und vertrocknete Moorlandschaften. Anmerkung von Sämi: Mich hat das ganze sehr stark an die USA erinnert. Unendliche Weiten in sanften Hügeln verpackt. Anmerkung Julia: Ich fand die Weiten passten nicht in die USA, da es hier viel zu grün ist.

In der Ferne sahen wir immer den Vater und die Tochter aus London. Kurz vor Orton, ein Dorf, das wir nach 12 km erreichten, sass Mark im Gras – im Schatten eines alten Stalls zwischen Kuhmist und Gatter. Er war völlig erschöpft. Der Übergang zwischen den roten Haaren bis zum Kopf sind nur noch schwer erkennbar. Er nahm dann eine Abkürzung um nach Kirby Stephan zu kommen. Wir haben ihn jetzt heute Abend nicht gesehen, obwohl er uns versprochen hatte, dass wir uns im örtlichen Pub auf ein Pint Beer treffen würden. Hoffentlich hat er die Reise gepackt! Der Vater und die Tochter kehrten wie wir im ersten Kaffee in Orton ein. Sie redeten aber kaum mit uns, nachdem die Tochter uns gestern ausgefragt hatte und der Vater sowieso jeden in Grund und Boden redet. Dafür hat die Tochter im Kaffee die Schuhe ausgezogen und zog ein Gesicht, wie sieben Tage Regenwetter. Offensichtlich ist auch hier jemand bereits an seine Grenzen gekommen. Sämi und ich genossen unsere Mittagspause mit einem… Sandwich. Wir mussten uns stärken, da noch weitere 20 km auf dem Plan standen.

Weiter ging unsere Reise wieder über Wiesen, Felder und Moorlandschaften. Die Natur veränderte sich auf der ganzen heutigen Etappe nicht. Es ist aber eine eigene, sehr spannende Gegend: geprägt von sanften Hügeln mit vielen landwirtschaftlich genutzen Feldern. Das klare Wetter gibt auch den Blick auf eine Landschaft frei, die noch wenig ausser Landwirtschaft kennt. Die Landwirtschaftsflächen werden immer wieder durch längere, unter Naturschutz stehende Moorlandschaften abgelöst. Diese sind im Moment sehr trocken und haben uns das Leben ausgesprochen einfach gemacht. Es ist schwer vorstellbar, was das für eine Schlammschlacht bei nassem Wetter heute gegeben hätte.

Landwirtschaftlich steht die Schafszucht offensichtlich im Zentrum. Sämi war von den Schafen ganz hingerissen. Er wollte unbedingt eines streicheln und einfangen. Natürlich ist es ihm bis jetzt nicht gelungen. Wer weiss, ob er es bis am Ende unserer Reise einmal schafft? Anmerkung von Sämi: Sie sind wirklich super süss und es gibt sie in allen Variationen und Formen: Klein, gross, weiss, braun, schwarz, flauschig, zottelig, frisch geschoren, halb geschoren, frisch geduscht, nie geduscht, mit komischen Kopfformen, mit Hörnen, ruhige, liegende, schlafende, kämpfende… Wirklich faszinierend. Ausser wenn eine ganze Herde los MÄHHHHHD… Das ist dann ziemlich laut.

Ein paar Mal mussten wir aber auch wieder durch eine Kuhherde hindurch, was wir beide nicht immer so prickelnd empfanden. Eine Kuh(!) mit Nasenring starrte uns an, andere versperrten uns den Weg, wieder andere kamen auf uns zu, während der Bulle etwas erhöht über seine Herde thronte und uns verdankenswerterweise passieren lässt.. Aber zum Glück vernahmen wir aus ihren Reihen kein Schnauben mehr. Daneben durften wir heute auch durch kleine Pony- und Pferdeherden hindurchgehen. Immer durch ein Tor, eine Tür oder eine kleine Leiter voneinander abgetrennt… Allgemein hatte man heute den etwas übertriebenen Eindruck, dass man die Steine der letzten Tage heute einfach durch Kuh- und Schafsmist vertauscht hatte.

Die letzten Kilometer zogen sich dahin. Sämi wurde stiller. Ich merkte, ihm verging die Lust und er wollte einfach ankommen. Hohe Hecken säumten den Weg der ins Dörfchen führte. Zum Glück fanden wir heute sehr schnell unser B&B. Chrissie und Joe empfingen uns überschwänglich. Wir aber hatten zuerst einmal das Verlangen nach Ruhe und einer Dusche! Wir sind völlig fasziniert von den Details, die wir in unserem Zimmer vorfinden. Alles ist äusserst liebevoll beschriftet.

Heute konnten wir endlich wieder einmal Gas geben. Die Bodenbeschaffenheit liess es zu, dass wir oft 5km/h laufen konnten und so in einer guten Zeit am Ziel ankamen. Dazu kam, dass uns auch niemand auf den ganzen 2 Etappen überholte. Wir düsten über die Wiesen und Felder bei strahlendem Sonnenschein. Es war um Welten nicht so heiss wie in der Schweiz und zum Glück regnete es nicht!!! Aber dennoch:Die wenigen Menschen denen wir heute begegnet sind, waren der fixen Überzeugung, dass heute ein ausgesprochen heisser Tag war.

Joe reservierte uns in einem super feinen Restaurant einen Tisch. Als wir auf dem Heimweg waren, habe ich durchs Fenster des Pubs die ältere Frau von dem Ehepaar aus Manchester erblickt. Ich bin richtig froh, dass sie nun auch hier sind. Wir wissen noch nicht, was sie in den letzten beiden Tagen erlebten. Wir nehemen aber an, dass wir sie morgen irgendwo auf dem Weg erblicken werden.

Wie verbringen Sämi und ich eigentlich so viel Zeit Seite an Seite? Ab und zu hängt jeder seinen Gedanken nach, ist mit der Bodenbeschaffenheit oder mit sich selber beschäftigt. Da der Weg heute nicht zu viel Konzentration von uns abverlangte, hatten wir auch mal Zeit einfach zu plaudern, Zukunftsideen zu spinnen, neue Ferienpläne zu schmieden… Wir redeten natürlich auch über den Weg, den wir am Bestreiten sind und sind einander unendlich dankbar, dass wir dies gemeinsam erleben und daran wachsen können. Unser Problem ist hier, dass wir extrem Mühe haben unsere Körper nach einem Wandertag wieder runterfahren zu können. Das wird dann wohl erst nach dem letzten Wandertag funktionieren…

Runter geht es immer – irgendwie

(Werte nach Sämi)

Distanz: 26.06 km

Dauer: 7h31

Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.5 km/h

Temperatur: 21 Grad

Viehzäune überquert: 25

Es ist manchmal doch seltsam: Wir beobachten Leute, die wir am Abend für nicht erwähnenswert einstufen. Und dann geschehen plötzlich lustige Zufälle, die wir Euch dann etwas länger berichten müssen. So auch die Sache, dass uns seit St Bees ein anderer Schweizer auf den Fersen ist (und wir es bis vor wenigen Stunden nicht wussten). Aber wie immer der Reihe nach. Heute war für uns eine Premiere: Wir schlugen das Sandwich für den Weg nicht aus. Der Grund lag nicht nur in der unglaublichen Liebeswürdigkeit unserer Gastgebern. Sondern auch darin, weil wir heute über die ganze Strecke hinweg nicht an einem Pub oder ähnlichem vorbeikommen würden. Unsere Gastgeber hatten in einem Zimmer eine Art Bar mit Bier, Gin und vielen kleinen Notwendigkeiten für diesen Weg – Paracetamol, Zahnbürsten, Wasser, Schokoriegel usw. Daneben bereiteten sie alles selbst aus lokalen Produkten zu. Die Gänge waren gepflastert mit selbstgemachter Marmalade. So konnten wir die Sandwiches gar nicht ausschlagen. Wir würden später noch sehen, dass das eine sehr kluge Entscheidung war. Im Morgenessraum waren ein paar Leute bereits am Frühstücken. Ein Paar aus Cambridge und Holländer (die gibt es hier wirklich in einer Masse, dass man es kaum glauben kann). Anmerkung Julia: Sämi ass wie üblich sein Rührei mit Speck und ich ein Müsli und Toast. Dieses Mal wurden aber ganz wenige Toast auf den Tisch gestellt. Deswegen bestellte ich mir nochmals eine Portion. Sämi wurde dabei ganz zappelig, da es eine Weile ging, bis die Toast gebracht wurden und natürlich bis ich sie gegessen hatte. Aber ich musste mich ja schliesslich für die anstehende Etappe stärken.

Wir waren nicht die schnellsten heute Morgen und so liefen wir erst um 09.30 ab. Das Tagesziel – Shap – 24km vor uns. Der höchste Punkt der gesamten traditionellen Route – den 778 Meter hohen Kidsty Pike – 8km vor uns. Uns so durften wir gerade als Erstes am Morgen Höhenmeter fressen. Auf dem Weg geschah wieder einmal eine lustige Annekdote: Julia lief ein paar Meter vor mir. Plötzlich meinte sie, dass sich im Farm direkt neben ihr etwas bewegt hat. Lakonisch bemerke ich, dass das Farn sicher gleich los blöken würde. Kaum bin ich daran vorbei, hören wir das von mir angekündete MÄÄÄHHHH! Ein weisser Kopf streckt sich in die Höhe und schaut aus dem Farn….

Als wir ein erstes Hochplateau erreichten, war da auf einmal wieder der einsame Wanderer. Wir hatten ihn schon in Ennerdale Bridge gesehen. Abends hatte er am Tisch hinter uns gegessen und morgens haben wir gesehen, dass er dort im Garten des Pubs sein Zelt aufgebaut hatte. Wir gaben ihm damals den Übernamen Bruder Klaus, weil er (zwar jünger als wir) den Eindruck machte, als sei er auf der Pilgerreise nach Santiago – hätte sich aber hierher verlaufen. Bruder Klaus sprach uns heute an – auf Berndeutsch!!! Er ist locker unterwegs – hat einfach ein paar Tage nach uns einen Rückflug gebucht, keine B&Bs vorreserviert, hat für Notfälle das Zelt dabei, hat keinen festen Laufplan. An dieser Stelle mach ich eine geistige Notiz an mich selbst: Nicht nur wir beobachten – wir werden auch beobachtet (Notiz 2: Mittel gegen Verfolgungswahn bestellen).

Der Weg verlangt einiges ab. Die letzten Tage haben ehrlicherweise schon etwas Kraft gekostet. Durch den Gedanken beseelt, dass dies der letzte wirklich harte Peak auf der ganzen Tour sein wird , reissen wir uns aber zusammen und erreichen um 12:09 Uhr den Gipfel. 8km geschafft. Zwei Holländer sind oben und lassen ihre Drohne fliegen um ein paar Videoaufnahmen zu machen – ich finde es schon noch cool, Julia meint: „völlig unnötig!“ Wir beschliessen eine Rast einzulegen. Der Wind hatte die letzten Stunden uns hart und kalt angeblasen. Nun suchen wir auf einem exponierten Hügelgipfel etwas Schutz und essen die ersten Sandwiches. Zwei weitere Holländer treffen ein. Es ist spannend: Der Weg wird von Engländern und Holländer stark begangen. Andere Nationen treffen wir nur sporadisch an. Die Aussicht ist fantastisch: Hinter uns liegen die Hügel des Lake District. Vor uns die grosse Ebene, die es morgen zu durchqueren gilt. In der Ferne zeichnen sich die Hügel der Yorkshire Dales ab. Unter uns: grüne Wiesen und Seen. Ein obligates Gipfelselfie steht auf dem Programm.

Der Abstieg steht an. Innerhalb von 2km verlieren wir fast alle gewonnen Höhenmeter wieder. Die Erfahrungen der letzten Tage zahlen sich aber aus. Wir erwarten Steine, Felsen und Krakselstellen. Und wir werden nicht enttäuscht. Es ist wirklich ein harter Kampf nach unten. Wir schlagen unsere Füsse an. Und unsere Gelänke werden gefordert. Doch auf den letzten 200 Meter treffen wir plötzlich auf grüne Wiesen, die wir wie junge Rehe runterspringen (Ja, Julia rennt plötzlich einen Berg hinab und ich bin ausnahmsweise mal die Stimme der Vernunft). Die beiden aus Cambridge, die heute Morgen bestimmt eine halbe Stunde vor uns gestartet sind, holen wir dabei ein.

Nun freuen wir uns auf einen entspannten Spaziergang von 8km dem See entlang. Doch irgendwie unterschätzen wir im Moment das Terrain immer. Es werden äusserst anspruchvolle 8km – sehr vergleichbar mit der Etappe des West Highlandways entlang des Loch Lomonds. Überhaupt werden wir auf den ersten 16km immer wieder an Schottland erinnert. Die Pflanzenwelt besteht aus Disteln, Löwenzahn, Farnen und den violetten namenlosen Dingern, die überall den Weg säumen. Anmerkung Julia: Ich bewundere immer wieder die vielen Blumen, die mich ein Stückchen auf dem Weg begleiten. Vor allem beim Löwenzahn muss ich immer wieder Lächeln, da ich letzten Monat eine Abschlussprüfung im Fach Zeichnen über den Löwenzahn gemacht habe.

Der Weg fordert die ersten Opfer bei uns: Julias Knie zicken etwas herum, bei mir gibt es ein Loch im seitlichen Schutzleder des Wanderschuhes. Wir begegnen keiner Menschenseele mehr. Die Natur wandelt sich unheimlich rasch und wir dürfen einem kleinen Fuss durch grüne Wälder folgen. Seit Tagen haben wir keine Beschilderung des Coast to Coast Ways mehr gesehen. Jetzt gibt es tatsächlich ab und zu einen Wegweiser. Meist steht schlicht C2C drauf – wie ein geheim Code, der nur Eingeweihte nach einem Schweigegelübte kennen. Wir überqueren Felder und Wiesen, alte Steinbrücken und viele Zäune, durch Schafsherden und Kuhgruppen. Anmerkung Julia: Plötzlich führte eben unser Weg quer über eine Wiese, die voll von Schafen und Kühen war. Wir mussten ganz nah an den Kühen vorbei gehen. Mir war da nicht mehr so wohl. Sämi meinte dann: „Komm, schliess zu mir auf! Wir müssen geschlossen an der Herde vorbei.“ Ich versuchte immer im gleichen Rhytmus zu laufen. Auf der Höhe der Kühe, hörte ich ein Schnauben. Mir kam die Situation des Yellow Stones in den Sinn, als wir ziemlich nahe vor einem Bison-Bullen standen und er uns anschnaubte und wir ziemlich schnell den Rüchzug antraten.

Und irgendwann erreichen wir Shap. Wir sind froh. Die letzten Kilometer waren doch hart und haben vor allem geistig einen höheren Tribut als Gedacht gefordert. Das schwierige Terrain entlang des Sees war nicht ohne. Direkt am Eingang zu Shap (was überigens ein extrem langgezogenes Bauerndorf, mit zwei Hotels, einem Pub, zwei Stores, einem Feuerwehrauto (dieses hat Julia nicht gesehen!), einer Schule ist) gehen wir in einen kleinen Laden. Anschliessend stellen wir zu unserem Entsetzen fest, dass unser B&B ganz am anderen Ende des Dorfes liegt. So kommen wir in den Genuss von fast 2km Extralaufen. Julias Gesicht drückt nicht gerade viel Freude aus. Vielmehr sieht es so aus, als wäre ein Säbelzahntiger mit einem Hummer gekreuzt worden: Hoch rot und wirklich furchteinflössend. Anmerkung Julia: Ich dachte, ich wäre jetzt dann gleich im Zimmer und unter der Dusche. Aber nein, ich musste laufen und laufen. Ich schaute immer wieder auf die Namensschilder der Häuser und keines hiess so wie unser B&B. Ich hätte mir sehnlichst einen Kaffee gewünscht. Sämi hat dann plötzlich einen Zug drauf und ich trotte hinterher und habe dann aber auch überhaupt keine Lust für irgendwelche Gespräche.

Dafür ist unsere Gastgeberin heute wieder eine grosse Show: eine ältere Dame, die uns (richtig englisch) zu Kaffee und Tee mit Scones einlädt. Sie lässt uns zuerst frisch machen und erwartet uns dann fast ungeduldig.

Am Abend treffen wir beim Abendessen nochmals Bruder Klaus. Er sitzt alleine und macht sich in einem kleinen Büchlein wie ein Reporter Notizen. Er wird einen Tag hier in Shap Pause einlegen. Damit auch ihm: alles Gute auf dem weiteren Weg.

Keine Neuigkeiten haben wir von den Manchstern. Wir machen uns schon etwas Sorgen. Falls sie den heutigen Tag überhaupt angetreten haben, dürfte es für sie nochmals sehr hart geworden sein – denn für uns war es ein harter Tag.

Auch wenn der Tag sehr hart war, geht es uns körperlich immer noch gut. Der Muskelkater bleibt nach wie vor aus. Ich pflege meine kleinen Zehen jeden Morgen. Im Moment kleben Compeed-Pflaster darauf. Wenn ich eingelaufen bin, spüre ich sie fast nicht mehr!

Wo sich Spreu vom Weizen trennt

Kilometer gelaufen: 26.01km

Benötige Zeit: 7 Stunden 27 Minuten

Meter rauf: 1’100m

Meter runter: 1’044m

Höchster Punkt: 609m

Temperatur: 20 Grad

Viehzäune durchquert: 16

Heute war der erste Tag, an dem wir gegenüber einem „normalen“ Wanderpensum zwei Etappen hatten. Sprich: Während die meisten Wanderer einen Pass machen, haben wir – so als entspannendes Nachmittagsprogramm – einen zweiten Pass über die Hügel des Lake District gefressen. Alles aber der Reihe nach. In Rosthwaite (ich habe den Namen nie ausgesprochen und ich würde mir nie anmassen, diesen Namen je auszusprechen) haben wir ein „nobles“ Morgenessen genossen. Da wir ja nicht in einem B&B übernachteten, sondern in einem richtigen Hotel, war das Morgenessen doch etwas übiger. Es gab sogar Pancakes, mit Speck! Und Ahornsirup!! Die richtige Stärkung für mich. Dazu meinen obligaten Tee. Julia hatte ihren obligaten Kaffee bestellt. Als sie ihn sich aber in die Tasse goss, wollte sie schon nach meinem Tee greifen, im festen Glauben, dass Tee und Kaffee durch das vornehme Servicepersonal verwechselt wurde. Dem war aber nicht so – zu meiner Belustigung und Julias Frust.

Beim Morgenessen trafen wir aber auch auf alte Bekannte: Das ältere Paar aus Manchester. Sie berichteten uns, dass sie am Tag vorher bei der Strecke am See ziemlich gelitten hatten und nun auf eine ruhigere Etappe hofften. „Good luck and keep fingers crossed“ rief sie uns nach, als sie vor uns den Speisesaal verliessen. Ebenfalls im Speisesaal trafen wir auf zwei Familien, die uns schon am Tag vorher aufgefallen sind. Nach einer halben Stunde Fett reinschieben (für mich) und gesunde Früchte essen (für Julia), gingen wir nochmals aufs Zimmer, um alles noch für den Tag zu richten. Dann liefen wir los. Ich hatte bereits bei der Planung diese Etappe als eine der Schlüsselstrecken identifiziert. Damals aber noch ohne die Erfahrungen des englischen Kartenmaterials. Vor allem war klar, dass wir heute ziemlich Druck machen müssten, um 1. eine schöne Kaffeepause einlegen zu können und 2. eine mögliche zweite Gorillaaktion durchziehen zu können (wann kommt man schon am zweit höchsten Gipfel Englands vorbei). Der Weg zeigte sich anfänglich von seiner sonnigen Seite. Er zog sich am Talboden einem Fluss entlang, zwischen Bäumen und Steinmauern hindurch. Richtig romatisch und typisch für den Lake District halt. Nach zwei Kilometern dann wurde es etwas steiler. Bäume wichen Felsbrocken und man hatte das Gefühl, dass die Seinmauern hier oben sehr gezielt auf dem Weg verstreut wurden. Wir stiessen auf die beiden aus Manchester und die beiden Familien, die etwas über 30 Minuten vor uns gestartet waren. Beide Gruppen waren am Rasten. Wir zogen an ihnen vorbei, wobei sich die Familie direkt an unsere Fersen heftete. Dann kam es: ca. 150m Höhenmeter fast senkrecht in einer Wand (wer sich nun fragt, warum ich Genie das nicht wusste: WEIL ES NIRGENDS AUF DIESEN KARTEN SO VERZEICHNET IST!!!). Ein Teil der Familien zog direkt an uns vorbei, wobei ich so für mich dachte, dass das gut wäre, da ich dann nicht die nächte halbe Stunde mit Weg suchen im Felsen beschäftigt sein würde. Natürlich ging es gefühlte zwei Minuten, bis wir irgendwo im Judihui standen und ich die Führung übernehmen durfte. Nach dieser Wand kamen wir auf eine kleine Höhenebene namens Lining Grag. Dort trafen wir auf eine weitere bekannte Gruppe: Die Bourbakis rasteten dort. Julia und ich enschlossen uns, dass wir nun rasch weiter ziehen wollten und auch noch die letzten Höhenmeter dieses ersten Passes überwinden wollten. Sie montierte zum ersten Mal ihr Soft-Shell, nachdem sie noch am Morgen gefragt hatte, warum sie es den ganzen Tag in ihrem Rucksach ausführen müsse und nur dank meinem Insistieren wieder mitnahm. Nun stand sie da: schwarzes Soft-Shell, Kapuze oben, schware Sonnebrille. Offensichtlich ist der schwarze Block auch im Lake District angekommen… Wir stiegen die letzten rund 100 Höhenmeter auf den 609 Meter hohen Greenup Edge auf, den wir rund 2 Stunden nach dem Start erreichten. Oben gab es dann ein Gipfelselfie.

Wir stiegen in Richtung Grasmere ab. Zwar gab es keine Felswände, die man nach unten klettern hätte müssen, doch war dieser Abstieg sehr fordernd. Steine und Felsbrocken machten die Tour zur Hochkonzentrationsübung. Entsprechend schweigsam waren wir beide. Wir brauchten für den gesamten Abstieg gerade nochmals 2 Stunden. Dabei trafen wir noch auf das Australiertrio, das wir auch schon des öfteren angetroffen hatten.

Grasmere ist ein wunderbarer Fleck Erde – idyllischer und mehr englisch geht nicht. Wir gingen in ein Kaffee „Emma’s Deli“, wo Julia eine braune Brühe, einen Fruit Scone und ich ein Crepe mit Schinken und Käse bekam. Nach den letzten 4 Stunden (wobei die offizielle Zeitschätzung für diesen Abschnitt bei 5 Stunden ist) konnten wir uns so wirklich wieder erholen. Nach 40 Minuten brachen wir wieder auf. Schliesslich hatten wir ja eine zweite Tagesetappe als Nachmittagsprogramm auf unserer to-Do-Liste. Als wir gerade Grasmere verliessen kam uns dann, so zu sagen zum Abschied, die Familie entgegen. Sie trafen gerade erst ein. Der zweite Aufstieg des Tages war weniger anstrengend. Ein einfacher Weg, ohne viel Mühsal, einfach gut 500 Höhenmeter rauf. Vorbei zuerst an Bäumen, dann an Farmen, dann an Steinen. An dieser Stelle möchte ich etwas kurz beschreiben, dass mir in den letzten Tagen schon häufig aufgefallen ist: Das Versteckspiel der Schafe. In dieser Region von England gibt es wirklich viele Schafe. Sie sind überall und immer. Sie haben aber gerade in den höheren Regionen die Angewohnheit sich in den hohen Farnen zu verstecken, so dass man sie nicht sieht. Dafür blöken sie ununterbrochen, so dass man meinen könnte, man hätte es mit sprechenden Farnen zu tun. Der zweite Pass, Grisdale, ist ca. 600 Meter hoch und wurde von uns in gut 1 Stunde und 20 Minuten bezwungen.

Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Option einer neuerlichen Gorillaaktion offen gelassen. Da es aber bereits spät am Nachmittag war und das Wetter sich weiter verschlechterte, verzichtete ich darauf. So hüpften wir frohen Mutes die letzten 7.5km nach Patterdale. Das B&B war dieses Mal etwas schwierig zum finden, aber auch das gelang uns nach 15 Minuten. Ein nettes Häuschen mit einer langen Geschichte. Offensichtlich hat hier schon Wainwright himself genächtigt (ohne Witz jetzt).

Im Pub stiessen wir dann auf die Manchsterin. Sie hat in Grasmere die Segel gestreckt und das Taxi genommen. Als wir nun im Pub mit ihr sprachen, war ihr Mann immer noch unterwegs. Ich bin von diesen Zwei wirklich beeindruckt: Sie haben den gleichen Laufplan wie wir und der ist wirklich nicht easy. Zudem kommt der Weg, der ab und zu den Namen Weg nicht verdient. Und sie machen diese Abenteuer trotzdem… Noch kurz wer alles in Grasemere geblieben ist und so eigentlich das Spreu von diesem Kapitel ist: die drei Australier, die Familie und die Bourbakis.

Vielleicht wollt ihr eigentlich wissen, wie es uns physisch geht. Erstaunlicherweise habe ich bis jetz noch überhaupt keinen Muskelkater verspürt. Ich konnte es fast nicht glauben, denn ich bekomme sehr oft nach längeren Wanderungen immer Wadenmuskelkater. Dieses Mal blieb er aus! Dafür spüre ich meine kleinen Zehen und versuche jeden Morgen mit einer anderen Methode sie zu polstern, damit sie die nächsten 25km mitmachen. Somit stehe ich morgens 45 Minuten, bevor Sämis Wecker klingelt auf, mache mich fertig und tape mein rechtes Knie (es hat oft zu viel Spannung drauf und deswegen kann es immer wieder schmerzen). Danach kommen die Pflästerlis für die Zehen dran. Sämi hat etwas Mühe mit seinen Fussgelenken. Aber auch das liegt unter den Erwartungen. Auch er verspürt bis jetzt noch keinen Muskelkater! Er crèmt seine Beine abends mit Murmeltiersalbe (vom Ballenberg), die nach Pfefferminze riecht aber diesen Stoff gar nicht beinhaltet, ein. Er wurde ja am ersten Tag von der Sonne grilliert. Diesen Sonnenbrand hat er mehrheitlich im Griff! Er scheint nun seine Lektion für dieses Jahr gelernt zu haben. Sehen wir dann im nächsten Jahr, ob das Learning anhält…!

Duden: Gorillaaktion, die

(Werte nach Sämi)

Distanz: 24.3km

Dauer: 7:45

Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.1 km/h

Höchster Punkt: 810m, bei einem Gesamtaufstieg von 1‘210m

Temperatur: 22 Grad

Viehzäune überquert: 21

Das liebenswerte B&B hat uns auch heute Morgen mit der Einzigartigkeiten der englischen Küche in Berührung gebracht. Doch meine Augen fingen gleich an zu leuchten, als es Hash Browns gab. Zusammen mit Speck ist es meiner Meinung nach, das warum man immer English Breakfast nehmen sollte, wenn man die Möglichkeit hat.

Viele Wanderer (oder C2Cer) sind fast gleichzeitg auf die heutige Etappe gestartet. Wir haben ihnen ein paar Minuten Vorsprung gelassen. Von unserem B&B ist auch eine Vierergruppe gestartet, die ich gestern Abend bei ihrer Ankunft (wir haben sie von unserem Fenster aus gesehen, liebevoll die Bourbakie-Gruppe getauft habe. Wir durften gestern noch ein kurzes Gespräch mit der einen Frau aus dieser Gruppe führen – während ihr Mann auf dem Bett Dehnübungen machte. Neben den Bourbakies hatten wir auch ein Paar aus Holland vor uns (wir haben sie bereits im Zug nach St Bees entdeckt). Doch schon nach wenigen Kilometern haben Julia und ich souverän die Führung übernommen. Wir kamen an den Anfang des Lake District. Dies ist ein englischer Nationalpark, dessen Schönheit wirklich atemberaubend ist. Der Lake District fängt, wie es der Name bereits sagt, mit einem See, dem Ennerdale Water, an. Wir durften die ganze Länge dieses Sees ablaufen. Dabei gab es immer wieder Abschnitte, die durch kleine, magische Wäldchen führten. Man konnte fast dife Elfen aus dem Efeu springen sehen. Nach dem See bogen wir in einen kleinen Wald ein. Was den ganzen Tag auffälig war, war die Dichte von Menschen. Man merkts, dass viele Menschen in England den Lake District für Wanderungen nutzen

Julia und ich haben uns entschlossen, dass wir für den nächsten Teil des Weges getrennt laufen werden. Während sie weiter durch den Wald gehen wollte, entschloss ich mich eine vier (Berg-)spitzen umfassende Krete in Angriff zu nehmen. Dafür musste ich aber zuerst auf einen Schlag 750 Höhenmeter in einer fast geraden Linie nach oben laufen. Die Holländer haben sich kurz nach mir ebenfalls auf diesen Weg gemacht. Ich weiss aber nicht, ob sie den Weg gepackt haben. So begann die erste Gorillaaktion dieser Wanderung. Für alle, die keine Erfahrungen mit Wanderungen mit mir haben: Gorillaaktionen zeichen sich dadurch aus, dass man irgendwo nach oben stürmt und dann meist einen (eigentlichen unnötigen) Weg in grosser Geschwindigkeit zurücklegt. Berühmte Beispiele sind die Aktion Black Cullins auf der Isle of Skye mit Ramon oder der Trollheta in der Finnmark mit Lars. Und nun auch diese vier Spitzen. Ich stopfe mir die Kopfhörer in die Ohren und ab gehts nach oben. Unter den Tönen von Hans Zimmer Time habe ich das Gefühl, die Anspannung und den enormen Stress der letzten Monate hinter mir zu haben. Ich spüre, wie Wesentliches und Unwesentliches klarer werden und wie, ja fast ins Reine mit mir komme. Es tut unheimlich gut: Die Kombination zwischen körperlicher Anstrengung, Musik und umwerfender Natur.

Nach gut einer Stunde erreiche ich den Red Pike. Ich war ehrlich gesagt nicht auf diese Aussicht gefasst. Da das Wetter schön und der Himmer extrem klar ist, sieht man bis weit nach Schottland. Man sieht das Meer, die verschiedenen Seen des Lake District und die mächtigen Hügel. Die vier Leute die ich oben antreffe, beschweren sich über die hohen Temperaturen. Ich entschliesse mich, jeden Gipfel jemandem oder etwas aus dem letzten Jahr zu widmen und mir jeweils am Top ein paar Minuten entsprechend Zeit zu nehmen. Kurz entschlossen wird der Red Pike zuerst mir selbst gewidment – egoistisch wie ich bin. Unter den Klängen von Polo Hofers Stilli Wasser geniesse ich den Ausblich und denke nach: „U weme luegt iz stille Wasser gsehtme d Wolke gespieglet drinn. U aus wo obe isch, das isch ou unge und alles überchunnt si Sinn“. Ich trinke fast meine gesamten Reserven auf und esse die letzten Schokoreiswaffeln…

Dann geht es weiter: einen kurzen (einfachen Abstieg) und dann rauf auf den höchsten Punkt des Tages. High Stile erwartet mich. Ihn widme ich einem nicht genannten Familienmitglied. Ich stehe oben, hör ein Stück und widme die paar Minuten dieser Person.

Es folgt ein kurzer Abstieg und eine längere Traverse auf den High Crack. Ich merke, dass ich länger für die Aktion als die vorausgesagten 3-3 ½ Stunden brauchen werde. Die Kopfhörer musste ich auf der Strecke dorthin abziehen, da der Weg langsam viel Konzentration benötigt (von einem wirklichen Weg kann auch nicht mehr die Rede sein). Den Gipfel habe ich kurz entschlossen Laurin (und natürlich Finn), Sophia und Alexander gewidment… Und zu deren Ehren trinke ich das letzte Bisschen Isostar aus meiner Flasche. Aber nach gut einer Minute trete ich die Flucht an, da ein paar hundert Midges beschliessen, mich bei lebendigem Leibe aufzufressen. Die Flucht führt nach unten auf den Scarth Gap Pass. Wobei von einer Flucht kann nicht die Rede sein. Der Weg, den ich bis zu diesem Punkt auf einen guten T3 einschätzte, ändert innert wenigen Meter hin zu einem extrem steilen T4 – eine wirklich komische Veranstaltung, so ganz ohne Markierungen oder etwas. Ich mache mir eine geistige Notiz: Englische Landkarten lügen gedruckt… Es wird wirlich steil und steinig. Loser Schotter bildet den ersten Untergrund und wechselt dann in einen blanken Felsweg, den irgendjemand, wahrscheinlich noch mit gutem Vorsatz, in den Berg gelegt hat. Steil und blank… gute Voraussetzung für einen Ausrutscher. Aber ich bleibe gottseidank verschont.

Nach dem Pass geht es auf der anderen Seite wieder rauf. Und hier hört der Spass definitiv auf. Es gibt mehrere Krakselstellen, die selbst in der Schweiz eine T5 Wanderung ausmachen würden. Ich bin immer noch schockiert über die Menschen, die mir dabei entgegen gekommen sind: Halbhohe Schuhe oder sogar Turnschuhe. Ich fühle mich fast wie ein ängstlicher Anfänger. Der Hay Stacks verlangt nochmals einen kleinen Tribut ab. Oben angekommen wird auch er etwas gewidmet: Operation Idefix und einer anderen Operation (für die, die nicht wissen, was die Opertion Idefix war, empfehle ich eine kurze Googlesuche).

Dann beginnt eine neuerliche Traverse, die wieder einiges an Konzentration verlangt. Nach gut vier Stunden Gorillaaktion treffe ich am abgemachten Punkt auf dem Honister Pass ein und stelle fest, dass Julia nicht da ist. Im Shop werden zuerst mal meine Getränkereserven aufgestockt und dann entschliesse ich mich draussen vor dem kleinen Kaffee, so positioniert, dass ich jeden sehen kann, auf Julia zu warten. Nach ¾ Stunde laufe ich beim danebenliegenden Youth Hostel vorbei. Vielleicht war sie doch (wie erwartet schneller) und hat sich einfach nicht so schlau irgendwohin gesetzt. Fehlanzeige. Das lässt nur einen Schluss zu – sie muss bereits weitergelaufen sein. Ich drehe mich um und geh in Richtung Shop um nochmals etwas Wasser zu holen, als sie in diesem Moment von hinten kam.

Nachdem Sämi und ich uns voneinander verabschiedeten, machte ich mich auf den Weg durch den Wald. Mit dabei hatte ich mein iPhone, auf dem ich immer wieder schauen konnte, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Das übrige Kartenmaterial war bei Sämi im Rucksack. Für knappe 7 Kilometer konnte ich einem relativ gemütlichen Weg folgen. Immer wieder traf ich auf Schafe. Wenn ich einem näherte, rannte es ziemlich gleich weg. Danach gab es keinen richtigen Weg mehr. Per App merkte ich auch, dass ich nicht mehr auf der Route war. Ich kletterte somit einen Hügel hoch, damit ich wieder auf der angezeigten Route war. Plötzlich ging es dann bergauf. Ich musste nicht über 700 Höhenmeter wie Sämi eklimmen. Bei mir waren es ein bisschen mehr als 600. Immer wieder kontrollierte ich, ob ich richtig laufe. Oben auf der Krete hatte es extrem viel Wanderer. Ich schaute mich immer wieder um und dachte, vielleicht sehe ich Sämi irgendwo! Fehlanzeige! Ich machte mich an den steinigen Abstieg zum Honister Pass. Dort angekommen holte ich mir zuerst einen Kaffee und setzte mich draussen hin, so dass ich Sämi sehen könnte, wenn er kommen würde. Ich fand es komisch, dass er nicht kam, da ich den Eindruck hatte, dass ich extrem an Zeit verloren hatte, da ich ja vom Weg abkam. Auch beim Aufstieg war ich nicht besonders schnell unterwegs. Die Zeit verstrich und Sämi kam nicht. Ich konsultierte nochmals die App mit dem angezeigten Weg. Es gab noch weiter unten einen Parkplatz mit Verpflegungsmöglichkeiten. Hatte Sämi doch diesen gemeint und ich warte nun am falschen Ort? Leider hatte ich auch kein Netz, somit konnte ich überhaupt nicht reagieren. Ich entschied mich zum Parkplatz, der 1 Meile entfernt lag zu laufen und schauen, ob er dort ist. Er war dort auch nicht. Ich begann mir Sorgen zu machen, versuchte ihn anzurufen. Er hatte aber keinen Empfang, das so viel bedeutete, er war noch irgendwo oben! Nach ein paar Minuten des Wartens entschied ich mich wieder hoch zu laufen und zu schauen, ob er in der Zwischenzeit dort angekommen ist. Ich vermied dieses Mal den steinigen Wanderweg zu nehmen und lief einfach der Strasse entlang. Fast oben angekommen, habe ich eine Familie und ein älteres Ehepaar angetroffen, die mir beide bestätigten, dass sie Sämi vor etwa 20 Minuten gesehen haben. Ich beschleunigte mein Tempo und konnte Sämi auch gleich sehen. In Tränen aufgelöst umarmte ich ihn. Er verstand nicht ganz, dass ich so in Sorge um ihn war. Als wir uns dort oben wiedersahen, schenkte er mir ein Herz aus Schieferstein – es ist wunderschön! Gemeinsam liefen wir nun den Weg wieder runter. Wir waren noch maximal 1 Stunde unterwegs, bis wir unser Hotel erreichten. Wir haben heute ein grosses Zimmer mit einem eisigen Fliesenboden. Ich schaue, dass ich möglichst nur in Schuhen, den Boden berühre! Nachdem wir ziemlich gleich nach der Ankunft duschten, genossen wir eine Stärkung in der Riverside Bar. Rund ums Hotel ist ein wunderschöner Park angelegt, in dem jetzt noch ganz viele Hotelgäste die letzten Sonnenstunden des Tages geniessen. Wir haben uns aber nach dem Abendessen ins Zimmer verzogen, noch eine Tasse Tee getrunken und widmen uns unserem Blog !

Die Sache mit den Steinen

Distanz zurückgelegt: 22.43 km

Laufzeit: 5h 14 min

Temperatur 22 Grad

Durchschnittliche Laufgeschwindigkeit: 4.3 km/h

Viehgatter durchquert: 21 (Es sollten am Ende 300 werden)

Endlich. Endlich – nach Wochen, ja Monaten des Wartens war heute die erste Etappe angesagt. Bereits vor 8 Uhr gab es zur Stärkung ein traditionelles Fullenglish Breakfast. Bereits im letzten Jahr, auf unseren Schottland Abenteuern, hatten wir jeden Morgen das Vergnügen. Und auch in diesem Jahr geht es im gleichen Stil weiter: Die meisten Bed&Breakfast Anbieter fühlen sich fast schon in ihrer Ehre verletzt, wenn Julia und ich etwas Toast, Kaffee, Tee und vielleicht ich noch Speck und etwas Rührei bestellen. Es ist aber wichtig, dass wir jeden Morgen bereits genügend Kalorien zu uns nehmen, denn die Lunchpakete, die man hier auch noch bekommen könnte, schlagen wir immer aus. Stattdessen planen wir jeweils einen fixen Halt irgendwo in einem Pub für einen Kaffee und vielleicht für ein Sandwich ein.

Nach dem Morgenessen starten wir. Vor dem B&B machen wir, zur Unterhaltung von zwei Schaulustigen unser Abklatschritual. Es geht an den Strand. Bereits auf dem Weg zum Strand überholen wir ein älteres Ehepaar, dass anscheinden auch das gleiche Ziel hat. Der Coast to Coast Way hat eine Reihe von kleinen Ritualen, die man einhalten muss, will man den Weg wirklich bestanden haben. Als erstes muss man seine Füsse, respektive die Schuhe mit dem Wasser der irischen See benetzen. Wir sind dankbar, dass Flut herrscht, so müssen wir nicht noch 200-300m zum Wasser laufen. Als zweites muss man einen kleinen Stein suchen, welcher von nun an bis zum Ende des Weges eines jeden Begleiter wird. Ich finde meinen sehr rasch. Naütlich gebe ich ihm sofort einen Namen: Duda. Duda verstaue ich in meiner Bauchtasche. Er ist schwarz und hat kleine weisse Punkte. Julia sucht etwas länger. Dann findet sie auch ihren Stein. Topolino wird er im Verlauf des Tages benannt, nachdem ich etwa 3mal nach einem Namen fragen musste. Als letzter Programmpunkt steht ein obligatorisches Foto vor der Wainwright Wall an. Drei Australierer (?) machen es von Julia und mir sehr gerne, und wir gewähren ihnen grosszügig, wie wir sind, auch Gegenrecht.

Julia und ich aktivieren unsere GPS Uhren. Sie sind dahingehend wichtig, dass sie uns ständig Position, Wegstrecke, Geschwindigkeit und Zeit durchgeben und wir so ziemlich genau abschätzen können, wie der weitere Lauftag wird. Es war eines der grossen Learnings vom letzten Jahr, dass es für die Psyche von beiden wichtig ist, dass wir das sehen. Der Weg führt zuerst die Klippe hinauf. Die Australier, die mit uns starten, sind bald nicht mehr hinter uns zu sehen. Die Szenerie erinnert an einen Rosamundepilchner Film – einfach real. Links von uns die irische See, rechts von uns die Weiden mit Schafen. Es ist auch ein Schaf, dass unsere Aufmerksamkeit irgendwann auf sich zieht. Es ist tot und ganz offensichtlich wurde der Nacken aufgebissen. Ich ertappe mich dabei, wie ich mich frage, ob es hier Wölfe gibt. Nachdem ich das aber innerlich ausgeschlossen habe, ziehen wir weiter. Der Weg führt die ersten Kilometer der Küstenklippen entlang, als ob er uns nochmals das Meer zeigen will, bevor wir dann wirklich landeinwärts ziehen. Die Natur und die Szenerie sind überwältigend.

Dann dreht der Weg ab. Als nächstes kommen wir an eine Strasse, wo die Sträucher links und rechts über 2 Meter ragen. Und dann kommen wir in ein erstes Dorf. Dort werden wir lauthals von einem älteren Mann begrüsst, der in Begleitung seiner Frau ist. „Die Zwei sind aber sicher nicht auf dem Coast to Coast Way“ und meint uns. Doch… Wir stellen fest, dass John eigentlich aus Robin Hood’s Bay stammt und gerade hier am anderen Ende Ferien macht. Nach einem kurzen Schwatz machen Julia und ich eine erste Pause. Das erste Drittel des Tages ist geschafft. Der zweite Abschnitt ist nicht so überwältigend. Er ist geprägt von landwirtschaftlicher Nutzung und erinnert uns fast an das Luzerner Mittelland. Einfach: Die Sonne brennt und ich Dottel habe mich nicht eingecremt… Naja: Heute Abend beim Schreiben dieses Textes bezahle ich den Preis.

Auch die ersten Navigationsprobleme stellen sich ein. Die 1:50‘000 Karte ist teilweise etwas unpräzise und der Weg kennt tatsächlich viele Varianten und Möglichkeiten. Ja, wir haben uns auch das erste Mal ca. 100 Meter verlaufen… Am frühen Nachmittag kommen wir wieder in eine Ortschaft und wir erkundigen uns nach einem guten Pub. Dort gibt es den Kaffee und das oblgatorische Sandwich mit Schinken, Käse und Zwiebeln.

Nach einer dreiviertelstündigen Pause ziehen wir weiter. Der Dent (Berg) ist unser nächstes Ziel, das wir passieren müssen. Als wir schon ein bisschen Höhe gewonnen haben, stand plötzlich eine Abschrankung vor dem Wanderweg mit der Inschrift „Footpath closed“! Dies zur Kenntnis genommen liefen wir der Autostrasse entlang. Sämi navigierte fortwährend mit dem iPhone, damit wir sicher wieder auf den Wanderweg finden. Einige Kilometer mussten wir aber der Strasse folgen, bis wir wieder auf einen Wanderweg kamen. Plötzlich vor uns sahen wir wieder das englische Ehepaar, das wir schon heute Morgen überholt hatten. Wir wechselten ein paar Worte mit ihnen und erfuhren, dass auch sie diesen Weg in 12 Tagen machen wollen. Wir schätzen, dass die beiden gegen 60 Jahre alt sind. Er fährt normalerweise Velo. Nur jetzt haben sie sich auch dieser Herausforderung gestellt. Sämi und ich laufen einen Grashügel hoch. Am obersten Punkt machen wir unser Tagesselfie. Von dann an gings wieder bergab. Die letzten Kilometer des Tages mussten wir durch ein super enges Weglein laufen. Von beiden Seiten waren die Pflanzen so hoch, so dass es schien, dass wir uns durch ein Dickicht kämpfen mussten. Dabei wurden wir von Mitches verfolgt.

Als wir in Ennerdale Bridge ankamen, sahen wir gleich auf rechter Hand unser Guesthouse. Da wir aber so früh ankamen, konnten wir noch nicht einchecken. Wir reservierten somit zuerst unseren Tisch für das Abendessen im Fox and Hounds Inn. Ich hatte dort eben auf der Karte schon ein Curry entdeckt. Ich habe mich danach über meinen Kaffee gefreut, welchen wir im The Gatherer tranken. Das Kaffee war super herzig.

Im Guesthouse wurden wir dann sehr herzlich empfangen. Die Zeit bis zum Abendessen war im Nu vorbei. Wir duschten und machten uns bereit, um uns zu stärken. Ich trinke jetzt noch ein Teeli, bevor ich unter die Decke hüpfe.

Wo bitte geht es zur Downtown St Bees?

Wir sind angekommen. Nicht am Ende, sondern am Start. Und für die englischen Verhältnisse ist das bereits etwas. Wer bereits in seinem Leben mit der britischen Bahn eine Reise machen durfte weiss, dass die Verbindung von A nach C nicht zwingend über B laufen muss, sondern logischerweise über G verläuft. Ganz simpel also. Beginnen wir aber vorne: gestern durften wir einen ruhigen Flug von Basel nach Manchester erleben. Ausnahmsweise blieb auch das obligatorische Chaos am Euroairport Basel aus. Wer mich kennt weiss, dass ich den Sinn und Zweck dieses Flughafens noch nicht vollständig gesehen habe, die normalerweise zu viele Menschen einen zu kleinen Raum bevölkern. Resultat: Lange Wartezeiten, enge Verhältnisse und was für Julia besonders schwierig ist, ein unausstehlicher Mann. Doch dem war gestern nicht so. Man konnte meinen, dass das Schicksal uns eine erholsame Reise wünscht. Nach gut 90 Minuten sind wir ruhig und entspannt gelandet. Den Zug Richtung Stadtzentrum zu finden war eine Leichtigkeit und so sind wir nach gut weiteren 30 Minuten bereits in unserer Bleibe für eine Nacht eingetroffen.

Heute also dann die Weiterfahrt nach St Bees. Ich muss schon sagen: englische Bahnhöfe haben einen eigenen Charme. Oft wurden sie vor ungefähr 100 Jahren gebaut, sporadisch mal modernisiert, aber nie wirklich gepflegt. Das ist schade.

Zuerst durften wir dann in einem überfüllten Zug für 2 Stunden nach Carlisle fahren. Wie bereits gesagt: Zugfahren auf der Insel sind ein eigenes Vergnügen. Die Züge sind oft um Welten kleiner, als das, was wir uns auf den Regio-Strecken zwischen Pratteln und St. Jakob gewohnt sind. Wobei die Enge noch zusätzlich verschärft wird, da ungefähr soviel Gepäckablage wie in einem durchschnittlichen Smart vorhanden ist. Und dabei spielt es keine Rolle, wie wichtig und ausgelastet die Strecke ist. Trotzdem: die Fahrt erlaubt uns einen ersten kleinen Blick auf Regionen, die wir in den kommenden Tagen mit unseren Füssen erkunden werden.

In Carlisle steigen wir um. Und dort bekommen wir eine andere Eigenheit des britischen Verkehrssystems zu spüren: dieselbetriebene Züge. Sie sind laut und haben einen eigenen Duft. Der Zug ist fast leer. Man erkennt aber schon die eine oder andere Person, die sich offensichtlich in das gleiche Abenteuer stürzt. Die Menschen erkennt man leicht an ihrer Trekkingausrüstung und vor allem an den Schuhen. Die Strecke führt uns von Carlisle direkt an die irische See. Eine gewisse Spannung überkommt uns. Julia fragt schüchtern, ob das ganze Unternehmen wirklich eine so schlaue Idee ist. Ich frage mich das selbe. Vor allem: Letztes Jahr, als wir den West Highland Way in 5 Tagen durchgerannt sind, waren es eben nur 150km in 5 Tagen. Jetzt sprechen wir von der doppelten Distanz von einem Weg, der schwerer einzuschätzen ist.

Nach 1 1/2 Stunden kommen wir in St. Bees an. Klein – sehr klein. Das ist die richtige Beschreibung.

Das Bed&Breakfast für die Nacht ist unmittelbar am Bahnhof(lein) gelegen.

Eine ältere Dame heisst und willkommen und fragt als erstes, wann wir am Morgen frühstücken wollen. Man sieht: Die Prioritäten werden hier noch richtig gesetzt. Dann zeigt sie uns unser kleines, sehr englisches aber süsses Zimmer. Die Türe ist aber etwas tief. Ich ziehe den Kopf ein – Julia muss es mir nachmachen.

Wir entscheiden uns, dass wir noch eine kleine Erkundungstour durch den Ort machen. Zusammenfassung: 2 Pubs, 1 Bahnhof, 1 Boardingschool, 1 Postoffice mit Shop, 1 Shop mit Kaffee. Besonders erwähnenswert ist aber das alte Kloster. Ich habe im Vorfeld mal was über die Kirche und die Orgel darin gelesen. Wir hatten Glück: Als wir sie besuchten, hat der Organist gerade geübt. Und so kamen wir in den Genuss ein paar Töne. Speziell ist die alte Bauweise der Kirche. Man sieht das alte Holzgerüst des Dachstocks. Aber damit hat es sich dann mit St. Bees.

Morgen geht es endlich richtig los. Aber zuerst testen wir noch den Spielplatz…

– Sämi-

Von Steaks und Nüssen…

Kurz nachdem wir im Hotel in Manchester ankamen, haben wir uns auch gleich wieder auf den Weg zum Abendessen begeben. Wie schon letztes Jahr in Glasgow, sind wir ins Steakhouse Millers & Carter eingekehrt. Es schmeckte – wie immer – vorzüglich! Bevor das Essen serviert wurde, stiessen wir mit einem Glas Wein auf unsere Ferien an. Sämi genoss dann ein doppelt so grosses Steak wie ich! Glücklich und satt verliessen wir nach 2 Stunden das Restaurant und nehmen uns vor, am Ende unserer Reise wieder dort einzukehren.

Nach einer Nacht, in der ich nicht sehr gut schlafen konnte – Sämi bekam davon nicht sehr viel mit – starteten wir unseren Tag am Frühstücksbuffet. Wir stärkten uns mit Brot, Müsli, Omlette, Speck und Pancakes. Bevor unsere Reise am Bahnhof Manchester weiterging, wollten wir uns noch mit Proviant eindecken. Zuerst betraten wir ein Geschäft mit Healthy Food. Meine geliebten Hafergutzis fand ich gleich! Sonst waren wir uns aber eher unschlüssig, was wir kaufen sollen. Also zogen wir weiter in ein grosses Einkaufszentrum. Nach etlichem Suchen fanden wir einen Stand, der viele Nüsse mit den unterschiedlichsten Geschmäckern verkaufte. Ich entschied mich gleich für gesalzene Mandeln. Sämi wollte Honey roasted Mandeln und Cashews. Sein Papiersäckchen füllte er sich dann noch mit Walnüssen. Die Verkäuferin hatte, glaube ich, noch nie so viele Nüsse auf einem Mal verkauft. Nun brauchten wir noch ein paar Flaschen Wasser. Ich war mit unserer Ausbeute nicht so zufrieden und bin dann nochmals zurück in den Laden mit Healthy Food und kaufte noch ein paar Proteinriegel aus Nüssen und Hafer. Ich freue mich diese bald zu probieren! Im Hotel portionierte Sämi die Nüsse in kleine Brotsäckchen, so dass wir auf der Wanderung nicht den grossen Papiersack voller Nüsse mitschleppen müssen.

– Julia –