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Die Sache mit den Steinen

Distanz zurückgelegt: 22.43 km

Laufzeit: 5h 14 min

Temperatur 22 Grad

Durchschnittliche Laufgeschwindigkeit: 4.3 km/h

Viehgatter durchquert: 21 (Es sollten am Ende 300 werden)

Endlich. Endlich – nach Wochen, ja Monaten des Wartens war heute die erste Etappe angesagt. Bereits vor 8 Uhr gab es zur Stärkung ein traditionelles Fullenglish Breakfast. Bereits im letzten Jahr, auf unseren Schottland Abenteuern, hatten wir jeden Morgen das Vergnügen. Und auch in diesem Jahr geht es im gleichen Stil weiter: Die meisten Bed&Breakfast Anbieter fühlen sich fast schon in ihrer Ehre verletzt, wenn Julia und ich etwas Toast, Kaffee, Tee und vielleicht ich noch Speck und etwas Rührei bestellen. Es ist aber wichtig, dass wir jeden Morgen bereits genügend Kalorien zu uns nehmen, denn die Lunchpakete, die man hier auch noch bekommen könnte, schlagen wir immer aus. Stattdessen planen wir jeweils einen fixen Halt irgendwo in einem Pub für einen Kaffee und vielleicht für ein Sandwich ein.

Nach dem Morgenessen starten wir. Vor dem B&B machen wir, zur Unterhaltung von zwei Schaulustigen unser Abklatschritual. Es geht an den Strand. Bereits auf dem Weg zum Strand überholen wir ein älteres Ehepaar, dass anscheinden auch das gleiche Ziel hat. Der Coast to Coast Way hat eine Reihe von kleinen Ritualen, die man einhalten muss, will man den Weg wirklich bestanden haben. Als erstes muss man seine Füsse, respektive die Schuhe mit dem Wasser der irischen See benetzen. Wir sind dankbar, dass Flut herrscht, so müssen wir nicht noch 200-300m zum Wasser laufen. Als zweites muss man einen kleinen Stein suchen, welcher von nun an bis zum Ende des Weges eines jeden Begleiter wird. Ich finde meinen sehr rasch. Naütlich gebe ich ihm sofort einen Namen: Duda. Duda verstaue ich in meiner Bauchtasche. Er ist schwarz und hat kleine weisse Punkte. Julia sucht etwas länger. Dann findet sie auch ihren Stein. Topolino wird er im Verlauf des Tages benannt, nachdem ich etwa 3mal nach einem Namen fragen musste. Als letzter Programmpunkt steht ein obligatorisches Foto vor der Wainwright Wall an. Drei Australierer (?) machen es von Julia und mir sehr gerne, und wir gewähren ihnen grosszügig, wie wir sind, auch Gegenrecht.

Julia und ich aktivieren unsere GPS Uhren. Sie sind dahingehend wichtig, dass sie uns ständig Position, Wegstrecke, Geschwindigkeit und Zeit durchgeben und wir so ziemlich genau abschätzen können, wie der weitere Lauftag wird. Es war eines der grossen Learnings vom letzten Jahr, dass es für die Psyche von beiden wichtig ist, dass wir das sehen. Der Weg führt zuerst die Klippe hinauf. Die Australier, die mit uns starten, sind bald nicht mehr hinter uns zu sehen. Die Szenerie erinnert an einen Rosamundepilchner Film – einfach real. Links von uns die irische See, rechts von uns die Weiden mit Schafen. Es ist auch ein Schaf, dass unsere Aufmerksamkeit irgendwann auf sich zieht. Es ist tot und ganz offensichtlich wurde der Nacken aufgebissen. Ich ertappe mich dabei, wie ich mich frage, ob es hier Wölfe gibt. Nachdem ich das aber innerlich ausgeschlossen habe, ziehen wir weiter. Der Weg führt die ersten Kilometer der Küstenklippen entlang, als ob er uns nochmals das Meer zeigen will, bevor wir dann wirklich landeinwärts ziehen. Die Natur und die Szenerie sind überwältigend.

Dann dreht der Weg ab. Als nächstes kommen wir an eine Strasse, wo die Sträucher links und rechts über 2 Meter ragen. Und dann kommen wir in ein erstes Dorf. Dort werden wir lauthals von einem älteren Mann begrüsst, der in Begleitung seiner Frau ist. „Die Zwei sind aber sicher nicht auf dem Coast to Coast Way“ und meint uns. Doch… Wir stellen fest, dass John eigentlich aus Robin Hood’s Bay stammt und gerade hier am anderen Ende Ferien macht. Nach einem kurzen Schwatz machen Julia und ich eine erste Pause. Das erste Drittel des Tages ist geschafft. Der zweite Abschnitt ist nicht so überwältigend. Er ist geprägt von landwirtschaftlicher Nutzung und erinnert uns fast an das Luzerner Mittelland. Einfach: Die Sonne brennt und ich Dottel habe mich nicht eingecremt… Naja: Heute Abend beim Schreiben dieses Textes bezahle ich den Preis.

Auch die ersten Navigationsprobleme stellen sich ein. Die 1:50‘000 Karte ist teilweise etwas unpräzise und der Weg kennt tatsächlich viele Varianten und Möglichkeiten. Ja, wir haben uns auch das erste Mal ca. 100 Meter verlaufen… Am frühen Nachmittag kommen wir wieder in eine Ortschaft und wir erkundigen uns nach einem guten Pub. Dort gibt es den Kaffee und das oblgatorische Sandwich mit Schinken, Käse und Zwiebeln.

Nach einer dreiviertelstündigen Pause ziehen wir weiter. Der Dent (Berg) ist unser nächstes Ziel, das wir passieren müssen. Als wir schon ein bisschen Höhe gewonnen haben, stand plötzlich eine Abschrankung vor dem Wanderweg mit der Inschrift „Footpath closed“! Dies zur Kenntnis genommen liefen wir der Autostrasse entlang. Sämi navigierte fortwährend mit dem iPhone, damit wir sicher wieder auf den Wanderweg finden. Einige Kilometer mussten wir aber der Strasse folgen, bis wir wieder auf einen Wanderweg kamen. Plötzlich vor uns sahen wir wieder das englische Ehepaar, das wir schon heute Morgen überholt hatten. Wir wechselten ein paar Worte mit ihnen und erfuhren, dass auch sie diesen Weg in 12 Tagen machen wollen. Wir schätzen, dass die beiden gegen 60 Jahre alt sind. Er fährt normalerweise Velo. Nur jetzt haben sie sich auch dieser Herausforderung gestellt. Sämi und ich laufen einen Grashügel hoch. Am obersten Punkt machen wir unser Tagesselfie. Von dann an gings wieder bergab. Die letzten Kilometer des Tages mussten wir durch ein super enges Weglein laufen. Von beiden Seiten waren die Pflanzen so hoch, so dass es schien, dass wir uns durch ein Dickicht kämpfen mussten. Dabei wurden wir von Mitches verfolgt.

Als wir in Ennerdale Bridge ankamen, sahen wir gleich auf rechter Hand unser Guesthouse. Da wir aber so früh ankamen, konnten wir noch nicht einchecken. Wir reservierten somit zuerst unseren Tisch für das Abendessen im Fox and Hounds Inn. Ich hatte dort eben auf der Karte schon ein Curry entdeckt. Ich habe mich danach über meinen Kaffee gefreut, welchen wir im The Gatherer tranken. Das Kaffee war super herzig.

Im Guesthouse wurden wir dann sehr herzlich empfangen. Die Zeit bis zum Abendessen war im Nu vorbei. Wir duschten und machten uns bereit, um uns zu stärken. Ich trinke jetzt noch ein Teeli, bevor ich unter die Decke hüpfe.

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